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Bosporus
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Bosporus

17.06.2008

 

Wie schon in den letzten Jahren nimmt der Bonner Kunstverein auch 2008 wieder an der Biennale Bonn teil. Zu Besuch ist der kurdische Künstler Fikret Atay, der ganz unter dem Motto „Bosporus“ seine aktuellen Arbeiten zeigen wird.

Dabei will er mit den gängigen Klischees und Vorurteilen aufräumen und unser lückenhaftes Bild vom Schaffen türkischer bzw. kurdischer Künstler zurechtrücken. Uns die türkische Kunst näher zu bringen, uns von ihrer Ausdruckskraft zu überzeugen und den Blick für die gesellschaftlichen Prozesse in der Türkei zu schärfen, sind dabei nur ein paar seiner angestrebten Ziele.

 

Die Videoarbeit THEORETICIAN, die Fikret Atay anlässlich der Biennale Bonn extra für den Bonner Kunstverein entwickelt hat, beschäftigt sich mit der religiösen Erziehung von Jugendlichen in der Türkei. Die Arbeit zeigt türkische Schüler, die nach Unterrichtsschluss die vermittelten Inhalte des Religionsunterrichts wiederholen. Dabei laufen sie ziellos und in sich versunken durch einen Raum und sprechen die Inhalte laut vor sich her. Da sie beim Aufsagen den Rhythmus der anderen Jugendlichen nicht beachten und aufgreifen, entsteht eine vielschichtige Geräuschkulisse.

Fikret Atay möchte mit dieser Arbeit die Widersprüche derartiger Lernpraktiken aufzeigen und das Bewusstsein für die Problematik einer streng religiösen Erziehung schärfen.

 

Auch für seine anderen Arbeiten unternimmt Fikret Atay Streifzüge durch seine türkische Heimatstadt Batman und fängt mit einer Handkamera Bilder ein, die seine unmittelbare Umgebung widerspiegeln. Diese Bilder dienen ihm als Vorlage für seine künstlerische Arbeit, die durch ihre poetische Bildsprache weit über eine rein dokumentarische Qualität hinausgeht. Im Fokus seiner Arbeiten stehen häufig Kinder und Jugendliche, die beim Spielen, Tanzen oder Singen gezeigt werden.

 

In dem Video BANG! BANG! (2003) stellen ein paar Jungen in einem Bahndepot Kriegsszenarien nach, wobei sie sich völlig unbeeindruckt von der Brutalität ihres Spiels zeigen. Die Arbeit TINICA (2004) zeigt einen Jugendlichen vor der tristen Kulisse einer Stadt. Er spielt mit großem Eifer auf einem Schlagzeug, das aus Kanistern, Blechdosen und Abfall zusammengezimmert ist, bevor er es anschließend mit einem Tritt einen Hügel hinab stößt.

 

FIKRET ATAYS Videoarbeiten sind eng mit den spezifischen kulturellen, gesellschaftlichen und geographischen Phänomenen und Problemstellungen seiner Heimat verknüpft. Der Künstler thematisiert in seinen Videos das Heranwachsen der Jugendlichen in einer Gesellschaft, die durch Umbrüche gekennzeichnet ist. Dabei kombiniert er orientalische Traditionen mit aktuellen westlichen Einflüssen. Die eingefangenen Situationen rufen beim Betrachter Assoziationen zu vertrauten und gleichzeitig fremde Szenarien hervor. FIKRET ATAY greift grundsätzliche Themen wie Tradition, Entwicklung, Identität oder die Rolle des Individuums in der Gesellschaft auf. Seine Fragestellungen besitzen dadurch eine Gültigkeit, die es erlaubt, sie auf andere Kulturen und Situationen zu übertragen.

 

FIKRET ATAY wurde 1976 in Batman, einer Region im Südosten der Türkei, nahe der irakischen Grenze, geboren. Er lebt und arbeitet in Batman und Paris. Einzelausstellungen (Auswahl): Paris: Le Plateau/Frac Ile-de-France (2006), Düsseldorf: Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen (2005); Gruppenausstellungen (Auswahl): Sydney Biennale 2006, Istanbul Biennale 2005.

 

 

Reihe
Studenten
Ort
Bonner Kunstverein, August-Macke-Platz/Hochstadenring 22, 53119 Bonn
Treffpunkt
Foyer, Bonner Kunstverein (17:45 Uhr)
Datum
17.06.2008
Beginn
18:00 Uhr
Preis
kostenlos
Teilnehmer
max.40